Forscher der Universität Gent haben das Verhalten von Katzen in 106 Videoclips aus 53 Haushalten Haushalten untersucht, um die Gründe für das sogenannte Allogrooming zu verstehen. Dabei stellten sie fest, dass das Lecken nicht ausschließlich ein Zeichen von Zuneigung ist.
In manchen Fällen dient das Lecken als subtiles Warnsignal, wenn eine Katze durch das Verhalten einer Artgenossin gereizt wird. Dieses passive-aggressive Muster kann von Ohrflachen, Kopfschütteln oder sogar leichtem Beißen begleitet werden und soll Konflikte ohne offene Auseinandersetzung entschärfen.
Andersherum kann das gleiche Verhalten auch als Beschwichtigung eingesetzt werden, um eine drohende Auseinandersetzung zu verhindern. Eine Katze leckt dann die andere, um Frieden zu stiften, ähnlich wie Menschen ein beruhigendes Gestik verwenden.
Ein weiteres beobachtetes Muster ist das Lecken über dem Partner hinweg, das als Einschüchterung oder Bullying interpretiert wird. Dabei zeigt die geleckte Katze oft Unbehagen durch zurückgelegte Ohren oder wegschauen.
In etwa 87 % der Fälle konzentriert sich das Lecken auf Kopf und Hals – Bereiche, die Katzen selbst schwer erreichen können, aber als besonders angenehm empfunden werden. Zusätzlich stärkt das gegenseitige Putzen soziale Bindungen, insbesondere wenn die Tiere zuvor gespielt haben oder synchronisierte Körperhaltungen zeigen. Schließlich kann das Lecken auch eine beruhigende Wirkung haben, indem es den Herzschlag senkt und Endorphine freisetzt.
Die Wissenschaftler betonen, dass ein besseres Verständnis dieser Nuancen helfen kann, Stress in Mehrkatzenhaushalten zu erkennen und zu reduzieren. Weitere Forschung sei nötig, um die gefundenen Funktionen zu bestätigen und eventuell zusätzliche Aspekte zu entdecken.